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Hyposensibilisierung / spezifische Immuntherapie  

Die Hypo-/Desensibilisierung - auch spezifische Immuntherapie (SIT) genannt - erfolgt immer noch am besten mit subkutanen (unter die Haut) Injektionen. Gut belegt - wenn auch noch Langzeitresultate ausstehen - ist die sublinguale (unter die Zunge) Immuntherapie mit Tropfen. Experimentell ist die nasale und bronchiale Hyposensibilisierung. Eine orale Hyposensibilierung mit Tropfen oder Tabletten ist ebenfalls möglich.

Die Hyposensibilisierung kann als ursächliche Therapie verstanden werden. Bei Erfolg kann sie die Symptome der allergischen Reaktion stark reduzieren oder ganz beseitigen. Die Therapie sollte im Herbst nach der Allergiezeit beginnen. Dabei wird das oder die relevante(n) Allergen(e) mit langsam steigender Dosierung an mehreren Tagen bis zur individuellen Erhaltungsdosis gespritzt oder getropft. Dies wird gemacht, damit sich das Immunsystem an das Allergen langsam gewöhnt und keine allergische Abwehrreaktion mehr auslöst. Die Prozedur ist jährlich zu wiederholen. Die Hyposensibilisierung darf nur von einem Allergologen vorgenommen werden, da es in wenigen Fällen zu Komplikationen (allergischer Schock) kommen kann, und eine sofortige Gegenmassnahme notwendig wird. Deshalb muss der Patient nach jeder verabreichten Spritze noch mind. eine halbe Stunde zur Kontrolle in der Praxis bleiben.

Die sublinguale Therapie (unter die Zunge) wird mit Tropfen durchgeführt, die unter die Zunge getropft werden. Anfänglich über 4 Wochen täglich mit steigender Allergendosis bis zur individuellen Höchstdosis, danach 3x die Woche über 3 Jahre lang. Die im Kühlschrank zu lagernden Tropfen, die möglichst immer zur gleichen Zeit genommen werden sollten, werden unter die Zunge getropft, dort zwei Minuten lang gehalten und dann geschluckt. Die Therapie ist auch bei Kindern möglich.

Grundsätzlich kann die Hyposensibilisierung bei Kindern ab 5 Jahren begonnen werden. Sie ist häufig wirksam und wird zur Asthma-Prävention empfohlen.

Empfehlungen der WHO zur Desensibilisierungstherapie

Voraussetzungen:

Lassen Sie folgende Fragen abklären:

1. ist die Allergie IGE-vermittelt ?
2. Welche Symptome treten auf ?
3. Kann eine Allergenbelastung vermieden werden ?
4. Wie schwer ist die Erkrankung ?
5. Wie wirksam sind andere Therapien (Medikamente) ?
6. Sind qualitativ hochwertige standardisierte Allergen verfügbar ?
7. Wie lange dauert die Therapie und was sind die Kosten ?
8. Wie hoch sind die Risiken der Therapie ?

Indikationen

Desensibilisierung sollte versucht werden, wenn

1. Antihistaminika oder andere Mittel beseitigen die Symptome nicht.
2. Patient möchte oder kann keine Arzneimittel nehmen.
3. bei Insektenstichallergie mit Gefahr des allergischen Schocks

Kontraindikationen

Desensibilisierung kann nicht durchgeführt werden, bei

1. bestehendem Immundefizit
2. schweren Erkrankungen
3. schweren psychischen Störungen
4. Therapie mit Betablockern (auch in Augentropfen)
5. schlechter Compliance (Patient macht Therapie nicht mit)
6. schwerem Asthma
7. Kindern unter 5 Jahren (Ausnahme: Insektenstichallergie)

Anmerkung: eine begonnene Desensibilisierung kann in der Schwangerschaft fortgesetzt werden.

Sicherheit

Grundsätzlich besteht bei Allergiepatienten, denen Allergene verabreicht werden, die Gefahr eines allergischen Schocks mit möglicher Todesfolge. Das Risiko einer Schockreaktion beträgt etwa 1 pro 200. Der Behandelnde Arzt muss den Patienten mind. 30 Minuten nach Therapiebeginn beaufsichtigen und eine Notfallausrüstung bereithalten.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit der Hyposensibilisierung wurde in vielen Studien belegt, es bestehen jedoch je nach Allergietyp starke Unterschiede in der Erfolgsrate. Bei saisonalen Verläufen (Heuschnupfen) scheint die Erfolgsrate höher als bei ganzjährigen Allergien.
 


 

 

 

 

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